Addy, der antarktische Angeber, ist ein sich selbst ständig überschätzender Adeliepinguin, der neugierig die Expedition verfolgt und seine unerwünschten Kommentare zu allem und jedem abgibt.

Sonntag, der 24. Januar 2010

ByBy

Endlich Schluss!!! Weg von diesen Schiffsplanken, kaum Fisch und nur mit neugierigen Wissenschaftlern zusammen. Keine Eleganz, kein Stil, keine Krawatten. Keine Pinguinweibchen und keine Möglichkeit eine Kolonie zu bilden. Es wird nämlich Zeit, dass ich eine Familie gründe. Der Südozean ist ja kaum mit Pinguinen bevölkert. Das muss anders werden. Pinguine forever!!! Also werde ich mich schnell wieder in Richtung Antarktis bewegen - diesmal ohne Schiff und dann werden Tausende von Adeliepinguinen die zukünftigen Fahrten von Polarstern begleiten, damit hier endlich mal was los ist.

Eine kleine Wehmut schleicht sich schon in meine Gedanken, denn die Jungs und Mädels an Bord haben schon ganz gut gearbeitet. Manchmal musste ich sie zwar ein bisschen anspornen, aber sie haben schon dazu beigetragen, dass ich als erster Wissenschaftspinguin in die Geschichte der Polarforschung eingehen werde. Ich sehe mein Denkmal schon neben dem von Magellan in Punta Arenas stehen. Dann wird niemand mehr zum kleinen Indianer gehen - alle kommen sie zu mir und bringen Geschenke.

Ich stehe hier nochmals als würdige Galionsfigur (zwar am Heck) auf Polarstern und kann es gut verstehen, dass ihr meine Berichte mit Leidenschaft verfolgt habt. Doch wie gesagt: Nun ist Schluss! By!

Euer bald berühmter Addy

Mittwoch, der 20. Januar 2010

Endlich Kumpels

Na, heute hatte ich fast meinen Spaß. Gegen Mittag tauchte am Heck eine Robbe auf und drehte sich spielerisch im Wasser. Für mich eine klare Aufforderung mitzumachen. Da sprang ich also ins Wasser, doch was war, die Robbe nahm keinerlei Notiz von mir. Von wegen spielen, die suchte nach Fischen und dann kam noch eine zweite dazu und ich war völlig uninteressant. Auch wenn die Robben mehrere Stunden während der Station am Schiff blieben, ich habe mich auch nicht mehr um sie gekümmert - wer mich so mit Missachtung straft, muss sehen, wo er bleibt. Na ja, das Bild von der Robbe will ich euch dann doch noch zeigen.

Auch die Albatrosse, die inzwischen auch mal Pause auf dem Wasser machen, ignorieren mich völlig. Was haben die, was ich nicht habe. Und wenn man genau hinschaut - ein wenig hochmütig wirken sie schon, ganz im Gegensatz zu mir.

Ich warte jetzt auf aufmerksamere Tiere.

Euer leicht beleidigter Addy

Mittwoch, der 20. Januar

Der weltbeste Forscher

Nun ist es klar, ich werde Forscher. Kein Kapitän, kein Koch, kein Maschinist. Ich werde die letzten Geheimnisse dieser Erde entdecken. Und zwar ich und zwar ganz allein und ich werde berühmt und dann werde ich überall auf der Welt zu Tagungen eingeladen und kann am Buffet Fisch essen, bis ich platze. Das wird ein Pinguinleben!

Viele meiner Kollegen an Bord haben mir schon Tipps gegeben, aber ich will ganz sicher sein, dass ich auch wirklich sofort etwas entdecke. So habe ich den Fahrtleiter besucht, das ist der Chef aller Wissenschaftler, und weil ich es bin, hat er mich natürlich gleich empfangen. Ich durfte neben ihm am Chefschreibtisch Platz nehmen und habe mich sofort als ganz wichtiger Wissenschaftler gefühlt.


Ich und Rainer (pardon) natürlich: Rainer und ich

„Leider geht das nicht ganz so schnell!" lacht Rainer Gersonde und fragt mich als erstes, ob ich denn gut Englisch spreche. Ehrlich gesagt klappt das bei mir nicht ganz so, ich habe das natürlich nicht sofort zugegeben. „Ohne Englischkenntnisse kannst Du leider wenig erreichen, denn Du musst mit Experten auf der ganzen Welt gut zusammenarbeiten." "Wieso zusammenarbeiten?", frage ich. „Ich will doch berühmt werden, das kann ich auch allein?" Da hat mich der Fahrtleiter doch etwas strenger angeschaut und mir genau erklärt, was man als Forscher heute tun muss, um erfolgreich wissenschaftlich zu arbeiten. Und mit der Berühmtheit, das soll ich mal sofort vergessen. Eigentlich schade, ein neuentdeckter unterseeischer Bergrücken im Pazifik mit meinem Namen - Addyridge - wäre ja schön gewesen.

Die Tipps von Rainer will ich Euch verraten, denn vielleicht arbeiten wir dann mal zusammen.

Du brauchst also gute Englischkenntnisse. Forschen ist kein Honigschlecken und damit du nicht sofort aufgibst, musst du an dem, was du tust, Spaß haben, viel Idealismus mitbringen und Durchhaltevermögen zeigen. (Spaß habe ich, ideal bin ich auch und durchhalten kann ein jeder Pinguin.)

Um in deinem Forschungsgebiet richtig gut zu sein, musst du schon vorher eine ganze Menge wissen und zwar nicht nur über die Geowissenschaften, du brauchst biologische, physikalische und chemische Grundlagenkenntnisse. Wie sagte schon mein Kumpel Ansgar, der eiskalte Entdecker: „Du musst über den Tellerrand deines Denkens schauen!" (Das mache ich ständig und denke an den Teller des Nachbarn mit diesem herrlichen Fisch drauf)

Wissenschaftlich erfolgreich arbeiten kann man heute nur noch mit vielen Menschen zusammen. Gerade die Polarforschung ist ziemlich teuer, das alleine zu bezahlen, schafft nicht einmal ein Land wie Deutschland (auch wenn sie das tollste Forschungsschiff der Welt haben, wie ich als Kenner bemerken muss). Die Antarktis ist schwer zu erreichen (das gilt natürlich nicht für Polarstern) und man braucht sehr viele Daten, um genaue Kenntnisse des Kontinents zu erhalten. So arbeiten die Forscher nicht nur an Bord zusammen. Weitere Menschen in vielen Ländern der Erde helfen, die Daten auszuwerten und zu beurteilen. Und es kann 10 Jahre dauern, bis alle Forschungsergebnisse unserer Expedition vorliegen. Da braucht man wirklich Durchhaltevermögen.

Und nicht immer sagt ein anderer, wie du arbeiten musst, um dein Ziel zu erreichen. Als Wissenschaftler musst du sehr häufig selbst entscheiden, was zu tun ist. „Nimm Dein Leben in die eigene Hand,“ sagt Rainer, „denke in Zusammenhängen und arbeite selbstständig."

Aber ein kleines bisschen berühmt sein, allein schon der Gedanke an den südpazifischen Addy Rücken…Na gut, dann eben nicht.

Viel Erfolg beim Entdecken der Welt. Sie fängt vor Eurer Haustür an.

Addy

Freitag, der 8. Januar 2010

Einmal Chief sein oder "In den Katakomben von Polarstern"

Endlich wieder richtig unter Wasser - mehr als sieben Meter! Tja, und trotzdem im Trockenen, das ist selbst für einen mit allen Wassern gewaschenen Pinguin wie mich eine schwierige Übung. Die habe ich aber heute locker gemeistert. Aber wie?
Wichtige Lebewesen bekommen halt wichtige Einladungen und ich durfte heute den Chief besuchen und der arbeitet eben 7 m unter dem Meeresspiegel im Bauch des Schiffes. Polarstern hat insgesamt einen Tiefgang von 10 m.
Der Chief ist der leitende Ingenieur an Bord von Polarstern und verantwortlich für den Maschinenkontrollraum (kurz MKR). Günter, ich darf ihn natürlich duzen, hat mir gleich einen leitenden Posten an den Maschinen angeboten, wie man sieht. Der Kontrollstand steht mir auch wirklich gut.

Tja, Leute, die Maschine oder, besser gesagt, die Maschinen, ohne die geht gar nichts auf Polarstern, sie sind das Herz des Schiffes und da war ich mit ganzem Herzen bei der Sache. Es riecht dort unten immer ein bisschen nach Öl, leider weniger tranig, das hätte meiner Nase besser gepasst. Für meine empfindlichen Ohren war der Besuch erstmal gar nichts, aber nachdem ich von Günter Ohrenschützer bekommen habe, war das Brummen und Rattern und Sausen und Brausen erträglich. Leider habe ich dann auch Günter nicht mehr verstanden. Aber hinterher hat er mir alles noch mal erklärt.

Also: Polarstern hat vier Hauptmaschinen, die leisten soviel wie 19198 Pferde (wieso misst man die Leistungen von Schiffen eigentlich nicht in Pinguinstärken?) und treiben die beiden Schiffsschrauben an. Eine der beiden Wellen, die, die zur Backbordschraube geht, könnt ihr auf dem Foto sehen. Ich bin gerade dabei, zu prüfen, ob sie richtig geschmiert ist.

Aber damit nicht genug, das reicht dem Schiff noch nicht. Dazu kommen zwei Hilfsdiesel mit nochmals 1754 Pferdestärken. Das ist dann genug, um Polarstern sogar in dickem Eis vorwärts zu bewegen. Aber nicht alle Maschinen sind ständig im Einsatz. Im Moment dampfen wir mit nur 3 Motoren und 12 Knoten gen Süden. Strom machen sie damit auch noch und zwar soviel, dass wir den an Bord gar nicht aufbrauchen können, auch wenn alle gleichzeitig ihren Fön benutzen. Für die Maschinen auf Polarstern kein Problem. Einen der Motoren habe ich übrigens näher kennengelernt, ich konnte auf dem Zylinderkopf Platz nehmen. Er ist übrigens eine „Sie“, heißt „Amanda". Ja, die heißt ehrlich so. Auf den meisten Schiffen haben die Antriebe nämlich Mädchennamen. Wahrscheinlich haben die Maschinisten in den Katakomben der Schiffe Sehnsucht nach ihren Frauen. Obwohl, ich bin ehrlich, besonders weiblich wirken sie nicht.

Nach dem verantwortungsvollen Besuch in den Tiefen des Schiffes bin ich dann wieder an die Oberfläche geklettert und habe mir nach den Anstrengungen einen Matjes gegönnt.

Ich danke den Jungs im Maschinenraum, die waren wirklich nett und haben mir alles gezeigt, doch unter Wasser schwimmen, so wie ich, können sie natürlich nicht. Aber das kann ich ihnen ja irgendwann mal zeigen.

Gut geölt fährt gut!

Addy

Sonntag, der 3. Januar 2010

Alles sauber oder was?

Im neuen Jahr habe ich mir viel vorgenommen, insbesondere will ich 2010 so richtig sauber bleiben. Immer das Gefieder putzen und den Schnabel sauber halten. Und weil das so ist, hat mich heute Katharina in ihren Reinraum
eingeladen. Da bin dann gleich rein, heißt ja auch Rein-Raum - habe ich mir so gedacht, ist aber gar nicht so gemeint. Den Reinraum darf ich nämlich nur betreten, wenn ich mein Gefieder sorgfältig gereinigt habe.
Sonst geht da nichts.

Im Labor hat Katharina eine Art Zelt aus durchsichtigen Plastikfolien aufgebaut. Dahinter liegen ihre Instrumente und Gerätschaften. Sie sind dort vor Staub geschützt, z.B. vor Gesteinsstaub und Eisenpartikeln (Die gibt es auf dem Schiff in rauen Mengen). Ihr Labor an der Universität von Hawaii (Ich glaub, ich besuche sie dort mal) besteht völlig aus Kunststoff, damit keine unerwünschten Metallteilchen ihre Untersuchungen stören. Gleichzeitig wird immer gefilterte Luft in das Labor geblasen, so fliegt jeder Dreck aus dem Labor raus, wenn man die Tür öffnet und kein
Staub kommt rein. Versuche mal, bei einem Luftballon die Luft rauszulassen und gleichzeitig Konfetti einzufüllen. Siehste! Geht nicht. So ist das auch bei ihrem Labor.

Alle Gegenstände in dem Reinraum hinter der Folie werden vorher sorgfältig gesäubert. Aber Putzlappen und Seife habe ich im Labor vergebens gesucht. Katharina reinigt alles mit Säure (aber bitte zu Hause nicht nachmachen).
Alle Flaschen und Behälter werden über einen längeren Zeitraum in ein Säurebecken gelegt - und diese Säure ist vorher auch schon zweimal gesäubert worden. Erst dann ist alles so sauber, dass Katharina damit arbeiten kann.
Ich finde das ja ein bisschen übertrieben, aber Katharina hat gesagt, das muss sein.Da gibt es keine Diskussion - basta!

Aber was erforscht Katharina überhaupt? Sie untersucht Wasser, erklärt sie mir und zwar ganz besonderes Wasser, ganz aus den Tiefen des Ozeans. Kaltes Wasser, das vom Rand der Antarktis wie ein Fluss unter dem anderen
Meerwasser nach Norden fließt. Das Wasser holt sie mit Flaschen aus der Tiefe. Diese werden von Polarstern an einem Seil in den Pazifik gelassen. Ganz unten, da wo Katharina es her haben will, schließt sich die Flasche und das eingefangene Wasser wird wieder an Bord gezogen und von Katharina in supersaubere Behälter umgefüllt.

Man kann sich vorstellen, dass das Wasser, welches Katharina untersucht, mit einem Farbklecks markiert ist und zwar mit einer Farbe, die sonst nirgends vorkommt. Und diesen Farbflecks möchte Katharina finden. Der „Farbklecks“ heißt Neodym und ist ein besonderes Metall, das im Meerwasser gelöst ist. Wenn sie dieses Metall in einer bestimmten Zusammensetzung gefunden hat, dann weiß sie, wo das Wasser herkommt, und kann den genauen
Weg bestimmen, den das Wasser genommen hat.

Der Anteil von Neodym im Meerwasser ist sehr, sehr klein. Stellt euch mal ein Schwimmbad vor mit einer Länge von 12,5 m, einer Breite von 5 m und einer Tiefe von 2 m. Dieses Becken füllt ihr mit gelben Schokolinsen, eine von
diesen Schokolinsen ist jedoch rot, das ist das Neodym und so wenig gibt es davon im Ozean.

Jetzt verstehe ich auch, warum Katharinas Räume sehr, sehr sauber sein müssen. Sonst wäre ja das ganze Schwimmbad voll mit bunter Schokolade, da findet man das rote Element ja überhaupt nicht.

Es ist schon gut, dass Katharina diese Forschungsarbeiten übernommen hat. Ich selbst bin doch nicht immer so supersauber, manchmal übersehe ich schon die ein oder andere Fischschuppe an meinem Federkleid. Aber wenn ich
Katharina besuche, dann werde ich in Zukunft natürlich immer porentief rein sein.

Alles klar!

Euer Addy

Freitag, der 1. Januar 2010

In den heiligsten Hallen

Da muss ich euch heute schon wieder schreiben. Wie gut, dass ich ausgeschlafen habe, denn ich habe eine Einladung bekommen in die Seele des Schiffes und das ist die Kombüse. Mann oh Mann, da war ich aufgeregt. Ich habe auch gleich einen Essenswunschzettel geschrieben, damit die Köche es leichter haben bei der Auswahl der Menüs. Der ist ganz einfach. Also für mich kann es geben 1. Fisch, 2. Fisch, 3. noch mehr Fisch und als Nachtisch ein paar Krabben.

Aber zurück zur Kombüse. Ich durfte in alle Töpfe schauen, bei der Vorbereitung dabei sein und die Geheimnisse der guten Seefahrerküche erfahren. Leider gibt es nur freitags Fisch. Schade, war nix mit meinem Wunschzettel. Doch ich habe noch mehr erfahren. Ratet mal, wie viele Eier Polarstern in der „Vorratskammer“ hat!

Nein, das ist falsch.

Also, es sind 11000 Eier, dazu 1200 kg Kartoffeln und 2000l Milch, 250 kg Zucker und 150 kg Salz (wer soll das alles essen?) und zu guter Letzt noch 20 kg Knoblauch (obwohl man den gar nicht riecht). Und das sind nur ein paar Beispiele. Den Rest will ich nicht aufzählen, aber es sind Massen - nur beim Fisch, da haben sie doch sehr knapp kalkuliert. Aber meckern darf ich nicht, könnt ihr auf dem Schild ja sehen.

Die Kombüsenmannschaft ist spitze und ich darf auch mal wiederkommen. Dann helfe ich Michael (wie ihr auf dem Bild sehen könnt) wieder beim Kochen. Heute war das Essen daher auch sau - eh - pinguingut - es gab Känguru mit Pilzen und Pommes.

So nach diesem Bericht habe ich Hunger bekommen und ich werde mich über den Kühlschrank der Mannschaftsmesse hermachen, der ist immer (immer!!!) voll. Unglaublich. Da kann ich sogar morgens um 4.00 Uhr etwas zu essen bekommen.

Guten Appetit!

Euer leicht hungriger Addy

 

Donnerstag, der 31. Dezember 2009

Silvester an Bord

Was? Schon vorbei? So geht das nicht. Bevor sich das Jahr 2009 verabschiedet, muss aber noch kräftig gefeiert werden. Gesagt, getan. Ich habe natürlich alles organisiert. Treffen, trinken, tanzen im Geolabor - Sekt, Säfte, sinnige Glückwünsche auf der Brücke und natürlich mein Privatfeuerwerk mit Wunderkerzen der Marke „Polar“. Passt doch, oder. Eigentlich ist das mit dem Feuer auf dem Schiff so´ne Sache - aber ich habe einen guten Draht zum Käptn - logisch - und der hat gesagt: „Ausnahmsweise - aber ganz hinten am Heck.“ Da habe ich mich dann eingefunden mit meiner Wunderkerze (die habe ich von einer sehr netten Frau bekommen), aber leider war kein anderer da, waren ja alle beim Empfang auf der Brücke. So habe ich ein Feuerwerk ganz für mich gehabt - auch gut. Dazu das Horn von Polarstern als Begrüßung für das neue Jahr um 12 Uhr - da kann auch einem Pinguin ganz feierlich werden. An Bord soll dann ja noch lange weiter Party gemacht worden sein, aber die Personen unter 16 Jahren mussten leider alle ins Bett, so auch ich.

Allen Lesern wünsche ich natürlich ein frohes neues Jahr, alles Gute, viel Fisch, sauberes Wasser, gute Brutstätten und die eine oder andere Eisscholle zum Ausruhen.

Euer Addy

Montag, den 28. Dezember 2009

Keine Wale und was daran nicht schlecht sein muss

Letztes Mal habe ich etwas über die Vögel im Südpazifik erzählt und nun wollte ich mich den Walen zuwenden. Sie sind sehr liebenswert und Polarstern achtet sehr darauf, ihnen nicht in die Quere zu kommen. Aber …. keine Wale da. Eigentlich schade, hatte ich mich doch auf die großen Kollegen sehr gefreut. Aber nix.

Hier gibt es einfach zu wenig für die Wale zu fressen, keine vernünftige Mahlzeit in Sicht. An Bord geht es mir ja gut, ich bekomme jeden Tag Fisch. Aber im Meer ist für die Wale nicht so viel los. Also verziehen sie sich. An der Eiskante der Antarktis sollen sie auftauchen. Ich bin mal gespannt und werde sofort berichten.

Aber warum gibt es hier in diesem wunderschönen, ungestörten Wasser, weit weg von jedem Land, keine Nahrung?

Nährstoffe gibt es im Wasser nämlich genug, das können die Wissenschaftler bestätigen. Aber leider nützen sie nichts, denn niemand kann sie einfach so verwenden. Das ist so, als wenn du in den Süßigkeitenladen gehst und kein Geld dabei hast, dann kannst du noch so begehrlich dreinschauen, es nützt dir nix. So auch im Meer: Damit die Nährstoffe genutzt werden können, braucht man Spurenelemente, die durch Staub von den Kontinenten und Inseln ins Meer getragen werden. Na und hier ist nichts, keine Insel, kein Kontinent und die Berge liegen auch unter Wasser. Also ist es nichts mit einem netten, vollen Leben in diesem Teil des Südpazifik. Man sagt: Die Primärproduktion ist sehr gering. Und wo keine kleinen Lebewesen, da auch keine großen Lebewesen.

Für die Forscher auf Polarstern hat das aber auch etwas Gutes. Die schauen sich ja die Reste der abgestorbenen Lebewesen an, die auf den Meeresboden gesunken sind. Und je weniger auf den Meeresboden gesunken ist, um so langsamer wachsen die Schichten an. Wenn die geologischen Detektive nun aus dem Gebiet mit dem langsam wachsenden Sediment einen Kern ziehen, so können sie Glück haben und mit diesem Kern weit in die Vergangenheit blicken. Die einzelnen Schichten sind eben sehr dünn. Auf der Jagd nach dem Asteroidenstaub war das wichtig - 2,5 Millionen Jahre - allein schon. So können auch wenig Wale manchmal positive Signale geben.

Übrigens - die Forscher verlassen sich natürlich nicht auf meine Scharfsinnigkeit. Sie setzen Geräte ein, die den Meeresboden mit Schall untersuchen. Damit können sie ganz genau die Stellen heraussuchen, die sie interessieren, das Schiff anhalten und ihre Proben nehmen.

Mit vogelfreudigem Gekrächze (Ich war zu lange in der Zillertal Bar)

Addy

Dienstag, der 22. Dezember

Grüße aus dem tiefen Süden

Hallo Fans,

ich wünsche Euch ein frohes Weihnachtsfest mit viel Schokolade, Nüssen, Marzipan, Lebkuchen, Mandelstollen, Keksen und was man sonst so braucht. Wie Ihr seht bin ich selbst bestens versorgt und werde bis zum 2. Weihnachtsfeiertag so gerade über die Runden kommen.

Ich melde mich nach den Feiertagen wieder. Auch ein Pinguin hat das Recht auf ein paar freie Tage. Aber ich muss mich vorsehen, dass mich niemand beim Ausruhen erwischt, denn an Bord läuft das volle Programm.

Alles Gute und eine tolle Party zu Sylvester (wir haben ja das Zillertal) wünscht Euch

Addy, der leicht übergewichtige Pinguin

 

Samstag, der 19. Dezember

Federn im Wind

Heute habe ich das Geolabor mal verlassen - die können bei dem Wellengang von 6 m im Moment eh nicht arbeiten - und habe mich an Deck begeben um Wind und Wellen zu genießen. Klar, dass mir das besser gefällt als bei dem manchmal matschigen Mus, welches die Wissenschaftler untersuchen.

Gehofft habe ich natürlich, dass ich irgendwelche Artgenossen treffe, die sich im Meer um Polarstern tummeln. Ja, ja, Pinguine können bis zu 500 km vom Festland angetroffen werden. Wir leben überhaupt nur während der Mauser, das ist der Wechsel unserer Federn, und der Brutzeit außerhalb des Wassers. Ich dagegen war seit Wochen nicht mehr im Wasser und ich kann noch nicht mal das Schwimmbad an Bord benutzen, das ist nämlich leer.

Aber bei Wind und Wetter draußen zu sein und sich die Federn durchpusten zu lassen, das ist auch nicht schlecht. Und wie ich so dastehe, da stelle ich fest, ich bin gar nicht allein. Es gibt hier Vögel mitten im weiten Ozean, vom Festland Tausende Kilometer entfernt, und ich frage mich, wie kommen die gerade hier hin.

Und da gibt es an Bord den Martin Fröb, der ist der Brückenelektroniker, aber hat auch unheimlich Ahnung von meinesgleichen. Den habe ich also gefragt.

Die Vögel, die Polarstern am häufigsten begleiten, sind Wanderalbatrosse. Im Gegensatz zu mir - leider- können diese Vögel stundenlang in der Luft bleiben. Mit ihrer großen Flügelspannweite von bis zu 3,50 m und einer gehörigen Portion Wind fliegen sie Tausende von Kilometern. Ihre Nahrung nehmen sie sozusagen unterwegs zu sich - sie fressen Tintenfische, Krebstiere und kleine Fische. Gerne folgen sie auch Schiffen, um den von Bord geworfenen Abfall zu fressen. Daher also kreisen sie gerne um mein Schiff. Na klar. Aber da haben sie Pech, denn von Polarstern darf nichts, aber auch gar nichts ins Meer geworfen werden. Selbst das genutzte Wasser wird sauber gemacht und erst dann ins Meer geleitet. Der Abfall - und seien es die leckersten Fischreste - bleibt an Bord und wird in Bremerhaven weggeschmissen. Also Pech gehabt, liebe Kollegen.

Aber der Wanderalbatros ist nicht der einzige, der sich am Heck von Polarstern einfindet. Folgende weitere Vögel wurden gesichtet, wie sie elegant über die Wellen gleiten, der Mollymauk (Schwarzbrauenalbatros) - von dem gibt es auf der Welt sehr viele - der Graukopfalbatros und der Rußalbatros, der ist eher dunkler gehalten. Die von Bord gesichteten Tiere sind zum großen Teil Jungvögel. Dass die schon in jungen Jahren soviel Energie haben, wundert mich ja - und ihre Federzeichnung ist noch nicht genau ausgeprägt, da kann man eine Einordnung nur sehr schwer aus der Ferne vornehmen.

Aber das ist noch nicht alles. Soll einer sagen, hier ist nichts los im südlichen Pazifik, da kommen auch Sturmvögel angeflogen, darunter sind der Riesensturmvogel mit einer Flügelspannweite von 2 m, der Grausturmvogel, der Kapsturmvogel und der kleine Blausturmvogel. Der Silbersturmvogel hält sich gerne in der Nähe von Buckelwalen auf, da hat er die Chance, etwas abzubekommen und so kann man die Wale eher an ihrer Begleitung in der Luft orten, als sie selbst im Wasser erkennen. Auf einen kleinen Gast soll ich besonders achten, sagt Herr Fröb, das ist der kleine Schwarzbauchmeerläufer, der wie ein Schmetterling zwischen den Wellen tanzt. Da habe ich mir erst mal das Fernglas auf der Brücke geschnappt und sitze nun seit einigen Stunden bei der Vogelbeobachtung - aber irgendwie ärgert es mich ja schon - echt kein einziger Pinguin. Aber es ist wie es ist.

In Deutschland werden in den nächsten Tagen sicher viele Gänse gesichtet. Da sage ich nur: Guten Appetit.

Euer Addy

 

Montag, der 7. Dezember 2009

Zu den Sternen greifen

Hallo, Hallo,

wusstet ihr, dass es in den Ozeanen Berge gibt. Ich nicht! Erst habe ich gedacht, die Wissenschaftler meinen die Wellen, damit kenne ich mich ja sehr gut aus, aber nein, unter dem Meeresspiegel, da findet man sie. Stellt euch vor, ihr liegt in der Badewanne und winkelt euer Knie so an, dass es unter der Wasseroberfläche bleibt und das ist dann der Berg im Ozean (Seamount sagt man an Bord dazu). In der Nacht sind wir über einen solchen Berg gefahren. Der ist ungefähr 4500 m hoch und damit fast so hoch wie der Montblanc, der höchste Berg der Alpen, und das unter Wasser. Zu sehen sind diese Berge leider nur mit Hilfsmitteln. So sendet das Schiff oder besser gesagt das Instrument an Bord Schallwellen in das Wasser - brüllt also ins Meer - und wartet auf das Echo. Je länger es dauert, je weiter weg ist der Meeresboden. Auf einem Computer wird dann die Information sichtbar gemacht. Man kann damit sogar in den Meeresboden schauen, denn die Schallwellen dringen bis zu 200m in den Meeresboden ein und so findet man Stellen, an denen man erfolgreich die Kerne zieht, von denen ich euch das letzte Mal erzählt habe.

Und einer dieser Kerne hatte es in sich - einen Schatz geradezu oder auch mehrere. Aber der Reihe nach.

Also, als vor 2,5 Millionen Jahren ein Stein mit einem Durchmesser von 1000m (Asteroid) auf die Erde gestürzt ist, hat er den Meeresboden ziemlich durcheinander gebracht und sich selber dabei in kleinste Teilchen zerlegt. Und diese Teilchen, Reste dieses Steins aus dem Weltall, Sternenstaub sozusagen, haben die Forscher gesucht. Erstaunlich für mich, der ja auch unter Wasser sehr gut sehen kann,ist, dass die mit ihren Instrumenten genau einen Punkt getroffen haben, wo dieser wertvolle Staub zu finden war. Und nun haltet euch fest, ich öffne also die aus dem Meeresboden gestanzten Kerne an der von den Forschern genannten Stelle und…. Ich wollte es kaum glauben, es war nichts Bewegendes zu sehen, kein Glitzern kein Glimmern. Da war ich schon enttäuscht. Aber dann unter dem Mikroskop ergab sich eine völlig neue Welt. Also, ich habe kleine Sternchen gesehen, die sollen so alt sein, wie unser Sonnensystem, also so alt, das kann man sich gar nicht vorstellen. Ich sag's euch trotzdem: fast 4,5 Milliarden Jahre. Da habe ich mich ehrfurchtsvoll verbeugt, denn auch als Pinguin soll man das Alter ehren. Auf dem Foto stehe ich ganz dicht an der Schicht im Kern, in der wir die Asteroidenteile gefunden haben. Die heißen bestimmt demnächst nach mir: Addyoriden.

Aber in dem Kern war noch mehr versteckt. Ich und die Wissenschaftler haben ein Gebilde gefunden, das im ersten Moment wie eine kleine, alte Kanonenkugel ausgesehen hat. War es aber dann doch nicht, sondern eine Kugel aus Mangan und die soll sich ganz alleine da unten aus dem Material im Meeresboden, dem Sediment gebildet haben. Und es dauert eine Million Jahre bis 5mm davon entstehen, da muss die Kugel mindestens 10 Millionen Jahre alt sein. Ja, im Meer sollte man forschen, da ist alles so alt, da fühle ich mich als älterer Pinguin von 12 Jahren wie ein Baby. Übrigens vor 40 Millionen Jahren gab es mich auch schon. Natürlich nicht mich selbst, sondern die Art der Pinguine und sie waren sogar so groß wie Menschen.

Aber alle guten Dinge sind drei, danach kam auch noch ein Stein zum Vorschein. An Steinen ist ja an sich nichts besonderes aber, an dieser Stelle darf er eigentlich gar nicht liegen. Jemand muss ihn hergebracht haben - ich gleich: „Den hat jemand über Bord geschmissen“. Da haben die erstmal gelacht, vor 40 Millionen Jahren? Da gab es weder Schiffe noch Seeleute. Aber einen Transporteur hatte er trotzdem, es war nur kein Mensch, sondern ein Eisberg, der ihn mit auf die Reise genommen hat. Aber wo beide losgewandert sind, kann mir leider noch keiner sagen. Jetzt ist der Stein jedenfalls angekommen und hat sich mit meinem Schiff das richtige Ziel ausgesucht.

Addy, der Schatzsucher

4. Dezember 2009

Brücken und Eis

Hallo Hallo, heute melde ich mich direkt von der Brücke. Ist natürlich
klar, dass hier mein Platz ist. Wieso Brücke fragt ihr, so was gibt's doch
gar nicht auf dem Ozean. Falsch gedacht, auf den Meeren gibt es unzählige
Brücken, mehr als in Venedig. Brücke heißt nämlich der Platz, von dem aus
das Schiff gelenkt wird. Hier findet sich alles, was mit der Navigation
von Polarstern zu tun hat. Und hier zwischen den Schiffsoffizieren ist
genau mein Platz.

Bei leichtem Seegang schäumt das Wasser ab und zu über den Bug, denn wir
befinden uns jetzt auf dem Südpazifik. Die Magellanstraße haben wir
verlassen und damit auch das ruhige Wasser.

Nun geht es richtig los und unter Deck rumort es, denn die Wissenschaftler
bereiten sich auf ihre Forschungsaufgaben vor. Draußen auf dem Arbeitsdeck
wird geschraubt und gehämmert und in den Laboren werden die Geräte
eingerichtet, die Computer dampfen. Heute wird das erste Mal der Boden des
Ozeans ausgestanzt. Die Geologen, die sich mit der Geschichte der Erde
beschäftigen, meinen, dass sie den Meeresboden nur hochholen brauchen und
schon können sie die Erdgeschichte daraus ablesen wie aus eine Buch.
Verstehe ich zwar nicht, in dem Material sind doch keine Buchstaben. Ich
werde mal nachfragen, wie die das machen und euch später berichten. Den
Kern erhält man, indem man ihn mit langen Zylindern aus dem Meeresgrund
zieht. Ich stelle mir das so wie bei einem Eisbecher vor. Ihr wisst nicht,
welche Sorten drin sind, weil zuviel Sahne oben drauf ist. Da steckt man
schnell einen Strohhalm durch den ganzen Becher und zieht ihn wieder
heraus und zack, in dem Strohhalm befinden sich alle Schichten des
Eisbechers wieder und du kannst den Inhalt sehen und schmecken, erst
Vanille, dann Erdbeere, dann Mango (das Eis hatten wir heute zum
Nachtisch). Naja, so ungefähr funktioniert es, wenn aus dem Sediment
(Ablagerungen am Meeresboden) die Kerne zur Untersuchung herausgestürzt
werden. Ja und die sind nicht 30 cm lang sondern bis zu 25 m. Auch ist der
Eisbrecher bei der Untersuchung des Meeresbodens weit weg, also du musst
mit deinem Strohhalm zwei Stockwerke höher gehen und ihn an einem Band
herunter lassen und dabei den Eisbecher zu treffen ist schon eine
Leistung. Hier auf Polarstern lassen Sie das Kolbenlot ungefähr 5000m
hinab. Und das ist wesentlich mehr als zwei Stockwerke! Ich werde mir
das alles aus der Ferne anschauen, mein Federkleid darf nicht dreckig
werden, denn ich werde ja auf der Brücke gebraucht.

So das war's für heute. Viele Grüße von eurem Oberpinguin Addy.

 

27. November 2009

Endlich geht es los!

Nun bin ich bei meinen Kumpels in der Magellanstrasse angekommen. Aus dem Flugzeug habe ich sie schon gesehen. In der Stadt Punta Arenas, das ist die südlichste Grossstadt der Welt, da findet man sie nicht so häufig, da gibts nur Hunde und einen riesigen Friedhof. Na, da bin ich erst mal hin, denn dort steht die Statue eines kleinen Indianers, wenn man dessen grossen Zeh streichelt, dann wird man viel Glück haben. Brauch´ ich zwar nicht, aber man weiß ja nie.

Hier ist es für Vögel ziemlich windig, da freue ich mich, dass ich weder selbst fliegen kann noch muss. Für Vögel, die nicht fliegen wollen, gibt es kleine Käfige, damit sie nicht wegwehen. Aber nein, glaubt es nicht, die sind für die Mülltüten, damit diese nicht wegwehen und da Pinguine kein Müll sind.... Also!

Heute nachmittag geht es aufs Schiff und dann hinaus in die Wellen. Seekrankheit kenne ich nicht und so wünsche ich mir hohe Wellen - mittelhoch ist auch schon OK. Nun muss ich aber los. Ich melde mich von Bord - Polarstern ahoi.

22. November 2009

So, hier bin ich nun, Addy, der superspitzenmäßige Expeditionsbegleiter für jede Fahrt - aber halt, kalt muss es schon sein. Und damit ihr nicht verwechselt, wo ich herkomme, habe ich meinen Eisbärfreund Ansgar, den eiskalten Entdecker, gebeten, mit mir einmal die Pole zu besetzen.
Also, ich lebe in den Regionen der Antarktis und Ansgar tummelt sich in den Regionen der Arktis. Das könnt Ihr auf dem Foto gut erkennen. So habe ich Ihn leider noch nie lebend zu Gesicht bekommen, wie gut dass es die Post und das Internet gibt.

Ansgar soll ja schon auf der Polarstern gefahren sein, für mich ist es das erste Mal. Das Essen wäre ausreichend gewesen, hat er geschrieben, das klingt bei Eisbären sehr beruhigend.

Am Freitag, den 27. November gehe ich an Bord von Polarstern und zwar in der südlichsten Stadt (Großstadt) der Welt - Punta Arenas, obwohl sich mehrere Städe über diesen Titel streiten. Auf der Karte könnt Ihr die Lage an dem roten Punkt erkennen. Dann geht es durch die Magellanstraße in den Südpazifik. Ob es da wohl Geschwindigkeitsbegrenzungen gibt? Ich hoffe nicht, denn ich kann es gar nicht abwarten, den hohen Wellen des pazifischen Ozeans zu begegnen. Wir Pinguine bekommen ja überhaupt keine Seekrankheit. Nie und nimmer. Und für die Menschen habe ich einen Tip (von einem alten Kapitän aus Augsburg), kandierten Ingwer, der soll Wunder wirken. Also deckt euch mit dem süßen Zeug ein, bevor Ihr auf große Fahrt geht. Ich schätze eher Krill, meinetwegen auch kandiert.